2007 - Am Riff der 7 Tode

Als hätten sie es geahnt. Bevor das Schmuddelwetter in Deutschland Einzug nahm, zogen es 16 Personen des Tauchsportverein Aquarius Rosenstein e. V. vor, einen Tauchurlaub in Ägypten am Roten Meer zu verbringen. Die zwischenzeitlich schon zur Tradition gehörenden Herbst-Ausfahrt des Vereins, bei der auch einige Tauchsport-Beginner teilnahmen, absolvierten in der Woche einige Tauchgänge auf der Tauchbasis des El Samaka Diving Center in Hurghada. Auf ihrem eigens dafür reservierten Tauchschiff wurden viele bekannten Tauchspots angefahren. Hier konnte von Schildkröten über Riesenlippfische (Napoleons), bis zu Schlangenalen, Barakudas und Hornhechten bestaunt werden.

Als besonderes Highlight erlebte die Gruppe den Schiffsfriedhof von Abu Nuhas. Früh morgens fuhr man zu dem berühmten Tauchplatz, der auch als “das Riff der 7 Tode“ genannt wird. Gelegen im nördlichen Teil des Roten Meeres, im Golf von Suez, genauer in der Straße von Gubal. Nach 3 ½ Stunden Bootsfahrt sah man auch schon Wrackteile aus dem Wasser ragen.

Dieses Riff war und ist Schauplatz zahlreicher spektakulärer Schiffsunglücke. Es ist die letzte Hürde der Schiffe auf dem Weg vom Suezkanal in das offene Meer. Er  endete für viele an dieser Stelle. In den letzten 130 Jahren versanken 7 bekannte und mehrere unbekannte Schiffe.

Für den ersten Tauchgang hatte sich die Gruppe die Ghiannis D. vorgenommen. Bei diesem Wrack handelt es sich um einen 1969 gebauten griechischen Frachter, der im April 1984 auf dem Weg nach Rijeka / Ex-Jugoslawien durch einen Navigationsfehler auf das Riff auflief und entzwei brach. So blieb sie dann 6 Wochen auf dem Riff, bis sie durch fehlgeschlagene Bergungsversuche in eine Tiefe von ca. 25 Meter absank. Laderäume, sowie Maschinenraum und Besatzungsunterkünfte laden förmlich für eine Betrachtung im Innern ein. Der Gleichgewichtssinn mancher Taucher wird schwer durcheinander gebracht, wenn man einer Treppe nach unten folgt, in Wirklichkeit aber nach oben schwimmt oder umgekehrt. Aber auch Aufbauten und Kräne, die fast bis zur Wasseroberfläche reichen, lassen sich ohne weiteres erkunden.

Als zweiten Tauchgang wurde die S.S. Carnatic ausgesucht. Dieses Schiff legte im September 1869 am Überseekai von Suez ab, mit Ziel Bombay / Indien. Durch noch ungenau vermessene Seekarten und einer stürmischen See lief die Carnatic am frühen Morgen des 13. Septembers 1869 auf das Riff auf. Das Schiff saß auf dem Riff und durch die ruhig werdende See glaubte man sich in Sicherheit und den Schaden zu beheben. Die Passagiere an Bord gingen dem Genuss von Speiß und Trank nach. Gegen Mittag brach dann das Schiff entzwei und sank. Es reißt 27 Personen, darunter 15 Europäer mit in die Tiefe. Beim Betauchen begleitet einen das Bild von Kolonien von Weichkorallen auf den Deckträgern. An Bord der Carnatic befanden sich außer Baumwolle und Kupferplatten auch 40 000 £ (entspricht in heutiger Zeit 1 000 000 £) in Gold. Offiziell wurde das Gold geborgen. Die sich bis heute haltenden Gerüchte, wonach nicht alle Schätze geborgen worden seien, tragen wesentlich zum Mythos um das Wrack bei.

Als gelungenen Abschluss des Tages wurde für die Gruppe noch ein Nachttauchgang an Rug Giftun unternommen. Hier sah man dann Meeresbewohner, die man tagsüber nicht zu Gesicht bekommt.

Und so verging die Woche für die Taucher wie im Flug. Allen Teilnehmern, vor allem den Neulingen, werden diese Eindrücke in wohlwollender Erinnerung bleiben.
Zum Schluss sei erwähnt, dass ein Tauchurlaub am Roten Meer sehr wohl auch etwas für Anfänger ist. Der Verein Aquarius Rosenstein führt im Herbst bzw. nächsten Frühjahr wieder einen Tauchkurs mit vorangegangenem Schnupperkurs durch. Wer weiß, vielleicht sieht sich der Eine oder Andere im nächsten Herbst in Ägypten wieder.